Campaigning, Weiterbildung

Mitmach-Kampagnen:«Wir müssen die Planung auf den Kopf stellen.»

Sarah Spiller, Kampagnenforum, hat mit mir ein Kurzinterview über «Mitmach-Kampagnen» geführt. Ich meine damit Kampagnen, die auf die Partizipation des Publikums fokussieren statt nur auf Sharing von Inhalten. Anlass ist ist der Kampagnenforum-Kurs  «Kreative Mitmach-Kampagnen», der am 6. September 2016 statt findet.

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Roboter demonstrieren an der Zürcher Bahnhofstrasse für ein bedingungsloses Grundeinkommen (Juni 2016).

Sarah: Die Möglichkeit für breite Bevölkerungskreise, sich aktiv an einer Kampagne zu beteiligen, gilt in deinem Ansatz als wichtiger Erfolgsfaktor. Welche Herausforderungen siehst du darin?

Daniel: Wir müssen die Kampagnenplanung auf den Kopf stellen: Statt am Schluss zu fragen «Und was haben wir zum Teilen auf Facebook?» steht der Einbezug der Zielgruppen an erster Stelle. Der Netzwerkansatz ist die strategische Basis, auf der eine Mitmachkampagne aufbaut. Sie funktioniert nur, wenn die Menschen, die sich beteiligen, einen möglichst grossen Handlungsspielraum erhalten. Sie werden vom Kampagnenteam nicht ferngesteuert, sondern nur angestupst und kreisen auf eigenen Umlaufbahnen.

Welche war in deiner Erfahrung die erfolgreichste Mitmachkampagne der letzten Jahre? Warum?

Die Durchsetzungsinitiative war für mich bisher die spannendste Fallstudie. Erstmals hat sich gezeigt, dass die breite Mobilisierung – insbesondere auch auf den sozialen Medien – bei nationalen Abstimmung mit knappem Ausgang eine Rolle spielen. Dem «Dringenden Aufruf», bei dem sich 50’000 Menschen beteiligten und über 1 Million Franken gespendet haben, ist es gelungen, eine «Es geht nur mit dir»-Stimmung zu schaffen. Im Gegensatz zur kraftlosen Elitekampagne von Politik und Wirtschaft hat der Aufruf eine spürbare Basismobilisierung geschaffen. Den Leuten wurde aufgezeigt, dass sie selbst etwas tun können – über das Abstimmen hinaus.

Welche Aspekte der Kampagnenarbeit rückst du beim Kurs ins Zentrum und wer sollte unbedingt teilnehmen?

Wir fokussieren auf den sozialen Effekt in einer Kampagnenstrategie, der für den Erfolg entscheidend ist. Wer sieht, dass Freundinnen und Freunde sich beteiligen, interessiert sich für den Inhalt und ist eher bereit, selbst einzusteigen. Gerade etablierte Organisationen, Verbände und Parteien, die bisher auf Marketing und PR setzen, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, haben Mühe, auf Augenhöhe zu kommunizieren und das Publikum einzubinden. Last but not least holen Mitmachkampagnen mehr aus knappen Budgets heraus.

Danke für deine Ausführungen, wir freuen uns auf einen spannenden Kurs am 6. September.

Weiterbildung: Kreative Mitmach-Kampagnen

Der wichtigste Erfolgsfaktor für Kampagnenarbeit ist Sichtbarkeit in den Medien, auf der Strasse und im Internet. Dafür müssen Themen und Anliegen in bildstarke, kreative und motiverende Aktionen übersetzt und in die Kampagnen-Strategie eingebunden werden.
Für die Umsetzung brauchen Sie Mitstreiterinnen und -streiter. Doch immer seltener können Organisationen auf langjährige Aktivistinnen und Aktivisten zurückgreifen. Kampagnenschaffende müssen daher die Kampagnen so gestalten, dass ein Mitmach-Effekt entsteht und breite Kreise von Menschen sich engagieren können.

Kampagnenexperte Daniel Graf zeigt auf, wie sie Strategien entwickeln und Menschen in mobilsierende Aktionen einbinden.

Daniel Graf (43) ist Kommunikationsstratege bei gamechanger.ch, Netzdemokrat und Mitbegründer der Polit-Plattform wecollect.ch.

Standard
Workers make stuffed animals to be exported to Europe and America at a toy factory in Ganyu county, Zhejiang province November 6, 2013. A stronger-than-expected rebound in China's exports in October added to a run of indicators suggesting the world's second-largest economy has found its footing just as Beijing prepares to lay out its reform agenda for the next decade. Picture taken November 6, 2013. REUTERS/China Daily (CHINA - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT SOCIETY) CHINA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN CHINA - RTX1553E
Campaigning

China unter dem Weihnachtsbaum

Jedes zweite verkaufte Spielzeug unter dem Christbaum stammt aus China und wird unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt. Mit der Kampagne «Fair Toys», bei der ich mitarbeiten durfte, fordert das Hilfswerk Solidar Suisse den Spielwarenverband Schweiz auf, sich für Transparenz, existenzsichernde Löhne und schärfere Kontrollen einzusetzen. 

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Das beliebteste Schweizer Weihnachtsgeschenk für Kinder sind in diesem Jahr Lego-Artikel. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage, die GfS-Zürich im Auftrag von Solidar Suisse durchgeführt hat. Auf den vorderen Rängen sind ausserdem Puppen für Mädchen zu finden, während Buben sich auf Modellfahrzeuge und -bahnen freuen dürfen.

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Rund die Hälfte der Spielwaren, die dieses Jahr den Weg unter den Christbaum finden, stammt aus China (20min.ch), so Plüschtiere von Hasbro, Disney-Figuren wie Frozen oder die Hot Wheels-Modellbahn von Mattel. Sie werden unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt, wie auch der 10vor10-Bericht von SRF-China Korrespondent Pascal Nufer vor Augen führte.

Bekannte Markenhersteller wie Mattel, Disney und Hasbro sind mitverantwortlich für die desolaten Zustände in China», sagt Simone Wasmann, Kampagnenverantwortliche bei Solidar Suisse. «Leider existiert bis heute kein Fairtrade-Label, das den Kaufentscheid erleichtern würde.» Gemäss einer GfS-Umfrage wären 80% der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bereit für ein Fairtrade-Label bei Spielwahren mehr zu bezahlen.

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Mit der Kampagne «Fair Toys», welche die Kampagnenagentur gamechanger bei der Konzeption und Umsetzung unterstützte, richtet Solidar Suisse einen öffentlichen Appell an den Spielwarenverband Schweiz. «Wir fordern einen Lohn, der zur Existenzsicherung reicht, unabhängige Kontrollen und Beschwerdemechanismen für die Arbeitnehmenden in den Fabriken», erklärt Simone Wasmann von Solidar Suisse. «Es ist Zeit, dass die Branche Verantwortung übernimmt für die ganze Produktionskette und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen einen Riegel schiebt.»

Beim Schweizerischen Spielwarenverband hält, was kaum überrascht, wenig von einem Fair-Trade-Label. Originell ist aber die Erklärung dafür: «Wir sind der Meinung, dass sämtliche Spielwaren, die in der Schweiz verkauft werden, auf faire Weise hergestellt werden sollten. Ein Fair-Trade-Label würde implizieren, dass alle Spielwaren ohne solches Label nicht fair hergestellt werden», erklärt Sandro Küng vom Schweizerischen Spielwarenverband.

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Campaigning, Menschenrechte

Briefe schreiben für Maria

Als sie 13 Jahre alt war, wurde Maria gezwungen, einen 70-jährigen Mann zu heiraten, der bereits 5 andere Frauen hatte. Ihr Vater versuchte ihren Widerstand zu brechen, indem er ihr drohte: «Wenn du nicht zu deinem Mann gehst, bringe ich dich um!» Über ein Drittel aller Frauen werden in Burkina Faso verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt sind. 

Amnesty International: Briefmarathon 2

Mit Maria und ihrem tragischen Schicksal startet Amnesty International heute, am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, den diesjährigen Briefmarathon. Dafür nutzt Amnesty International das erste Mal eine Website, mit der persönliche Brief erstellen können. Die Online-Plattform durfte ich  in Zusammenarbeit mit der Internet-Agentur Liip entwickeln.

Letztes Jahr haben Menschen in über 140 Ländern am Briefmarathon teilgenommen und über 2 Millionen Solidaritätsbotschaften geschrieben. Davon kamen über 30’000 aus der Schweiz.

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Die weltweit grösste Briefaktion für die Menschenrechte zeigt Wirkung: Gewissensgefangene werden freigelassen, Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt oder die Haftbedingungen verbessern sich. 2014 kam der junge Nigerianer Moses Akatugba nach dem Briefmarathon frei, der in einem unfairen Prozess zum Tode verurteilt worden war.

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Campaigning, Netzpolitik, Social Media

Toni Zuckerberg: Was der erfolgreiche SVP-Strategiewechsel mit Facebook gemeinsam hat.

Toni Brunner hatte das gleiche Problem wie Mark Zuckerberg: Wo schraube ich an einem Erfolgsmodell, um weiter zu wachsen? Wie die SVP setzte Facebook auf ein simples Kommunikationsprinzip, das zum Markenzeichen der Plattform wurde: den Like-Button.

Doch der Daumen wankt: Mark Zuckerberg testet sechs zusätzliche Symbole, um das Repertoire der Social Media-Plattform zu erweitern. Der Strategiewechsel hat ein Ziel: Die Grenzen der Goodnews-Plattform zu sprengen und neue Marktanteile zu erobern.

Auch die erfolgsverwöhnte SVP wollte bei den Wahlen 2015 zulegen. «Wer weiter wachsen will, muss unter dem Hag durchfressen», hat sich Parteipräsident Toni Brunner gesagt. Der Bilderbuch-Bauer hat dem Parteiapparat ein neues Image verpasst, das einer kleinen Revolution gleich kommt.

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In der Ära Blocher war die SVP eine Partei, die stets mit dem Daumen nach unten zeigte. Doch mit Poltern sammelt man wenig Sympathiepunkte ausserhalb der Restaurant-Sälis. Im Wahlkampf erfand sich die SVP als Spasspartei neu und stieg wortwörtlich in die Badehose. Im Wahlkampf-Clip «Welcome to SVP» springt alt Bundesrat Christoph Blocher in den Swimmingpool, um ein neues und vor allem jüngeres Publikum anzusprechen.

Das Wahlresultat zeigt: Der Flirt mit der mehrdeutigen Emoji-Kultur zahlt sich für die SVP aus. Als Platzhirsch auf Social Media hat sie sich aus einer Volks- in eine Viralpartei verwandelt. Den Vorsprung wird die SVP locker halten können. Der Konkurrenz fehlt es an der nötigen Selbstironie.

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Campaigning, Netzpolitik, Social Media

Wohninitiative: Unterschriften sammeln im Netz!

In den frühen Morgenstunden des 4. September 2015 war Kickoff der Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» vom Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband (SMV), in Zusammenarbeit mit der SP, den Grünen und der AL. Die Initiative will den preisgünstigen Wohnungsbau fördern. Am ersten Tag wurden über 7500 Unterschriften im Netz gesammelt. Der Zähler steht Mitte November bei 15’000.

Zum zweiten Mal kann in der Schweiz eine Volksinitiative online unterzeichnet werden (vgl. Bericht SRF). Seit Frühling sammelt bereits Amnesty International mit dem «eCollector» für die Konzernverantwortungsinitiative Unterschriften im Internet. Seit Mitte September läuft zudem das erste Referendum gegen das Nachrichtendienstgesetz (NDG) über die Plattform.

Was hinter den Kulissen läuft erfahrt ihr im folgenden Interview, das Joël Bisang im April 2015 mit mir geführt hat.

Warum geht es beim «eCollector»?

Daniel Graf: Der eCollector ist ein Tool, das Organisationen und Initiativkomitees eine einfache Online-Sammlung von Unterschriften für Volksinitiativen und Referenden erlaubt. Man könnte sagen, wir bieten den bequemsten Weg, um rasch eine Initiative im Netz zu unterschreiben.

Wer ist «wir»? 

Der «eCollector» ist ein Gemeinschaftsprojekt von gamechanger und der Webagentur Liip. An der Entwicklung waren darüber hinaus verschiedene engagierte Personen beteiligt, die sich für politische Partizipation einsetzen. Die Lancierung des eCollector erfolgte im April 2015 in Zusammenarbeit mit Amnesty International anlässlich der Konzernverantwortungsinitiative, die alle Unternehmen mit Sitz in der Schweiz zu einer Sorgfaltsprüfung im Bereich Menschenrechte und Umwelt verpflichten will.

Die Erhöhung der Unterschriftenzahl für Volksinitiativen auf 200’000 ist ein heisses Thema. Leistet der eCollector den Befürwortern Vorschub?

Ich denke, wir sollten keine Angst vor einer Facebook-Demokratie und vor stärkerer politischer Partizipation haben. Selbstverständlich kann man darüber diskutieren, ob die heutige Unterschriftenzahl adäquat ist. Eine lebendige Demokratie darf aber nicht auf Ausschluss setzen, wenn sie die nächste Generation im Boot haben will.

Was hat euch auf die Idee für den eCollector gebracht?

Viele Organisationen, Parteien und NGO verfügen heute über eine breite Online-Kontaktbasis und auch im Netz über treue AktivistInnen, die beispielsweise regelmässig Online-Petitionen unterstützen. Dieses Potenzial wollten wir nutzen. Aus der Praxis ist zudem bekannt, dass – bedingt durch den Aufwand – nur wenige Menschen ein PDF herunterladen, es ausfüllen und zurückschicken. Das gilt insbesondere dann, wenn sie unterwegs sind und die Informationen auf dem Smartphone erhalten.

Der eCollector ist eine Art Web-Plattform. Was steckt dahinter?

Der eCollector nutzt erstmals die Möglichkeit, persönliche Daten für einen personalisierten Unterschriftenbogen zu verwenden. Das heisst, wer eine Initiative oder ein Referendum online unterschreiben will, erhält per E-Mail ein automatisch erstelltes PDF, in dem die benötigten persönlichen Angaben (Vorname, Adresse, Geburtsdatum) bereits eingefüllt sind. Sie oder er braucht nur noch den Nachnamen anzugeben und zu unterschreiben, anschliessend kann das Dokument ausgedruckt und zurückgeschickt werden. Rechtlich ist es so, dass bei nationalen Initiativen Nachname und Unterschrift zwingend handschriftlich angegeben werden müssen.

PDF in der Mailbox klingt gut. Aber was machen Leute, die unterwegs sind oder keinen Drucker haben?

Wer will kann sich mit dem eCollector das ganze Paket per Post, sozusagen analog, nach Hause schicken lassen und dann den unterzeichneten Unterschriftenbogen zurückschicken. Erste Erfahrungen mit der Amnesty-Initiative zeigen, dass rund 10 Prozent diesen Postservice in Anspruch genommen haben.

Bis jetzt werden Unterschriften auf der Strasse gesammelt. Welche Vorteile bietet das Netz?

Kampagnenaktivitäten im Netz können mit dem eCollector direkt an eine Unterschriftensammlung gekoppelt werden. Mitglieder und SympathisantInnen einer Organisation haben also die Möglichkeit, im Netz aktiv Unterschriften zu sammeln. Nicht zuletzt vergrössert der eCollector dank einem Schneeball-Effekt auch die Kontaktbasis einer Organisation. Wer unterschreibt kann andererseits selber eine Multiplikatoren-Rolle spielen, indem er oder sie die eigenen Online-Kontakte nutzt, um weitere Unterschriften zu sammeln.

Fehlt im Netz nicht die Möglichkeit des direkten Gesprächs, um Skeptiker zu überzeugen?

Interessierte finden auf der eCollector-Website kurze und knappe Informationen zum Anliegen der Initiative. Amnesty International hat zusätzlich ein Informationsvideo produziert, dass in zwei Minuten alles erklärt. Darüber hinaus ist die Kontaktpflege ein Grundprinzip des eCollector. Per E-Mail wird nachgefasst, weil wir davon ausgehen, dass Empfänger oft beschäftigt sind, wenn die erste Mail mit dem Unterschriftbogen bei ihnen eintrifft.

Steht der eCollector allen Organisationen offen?

Ja, wenn wir auch inhaltlich hinter dem Anliegen stehen können. Technisch ist das Tool so gestaltet, dass parallel mehrere Unterschriftensammlungen gleichzeitig möglich sind. Sammelaktionen können darüber hinaus kurzfristig lanciert werden, denn gerade bei Referenden ist die ja jeweils Zeit knapp.

Wie geht es weiter mit dem Projekt?

Wir arbeiten im Moment an einer Plattform, die in eine Engagement-Community eingebettet werden soll. Der Launch ist für Frühling 2016 geplant.

(Text aktualisiert am 19.11.2015).

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Menschenrechte

Fluchthilfe statt Schlepperbanden: Asyl mit einem Klick

Nachdem Flüchtlingsdrama in Österreich trommeln die Politikerinnen und Politiker zum Kampf gegen die Schlepper. Doch die kriminellen Banden profitieren davon, dass Flüchtlinge kaum Möglichkeiten haben, legal in die EU oder auch in die Schweiz zu gelangen. Die Menschen müssen sich Schlepper anvertrauen und riskieren ihr Leben.

Seit der Abschaffung des Botschaftsasyls 2013 müssen Schutzbedürftige sich in der Schweiz aufhalten, um einen Antrag auf Asyl stellen zu können. Schweizer Botschaften können zwar humanitäre Visa ausstellen. Sie tun dies aber knauserig. Flüchten Menschen in Drittstaaten, haben sie in der Praxis kaum eine Chance, ein humanitäres Visum zu erhalten.

Dieser Zustand ist unhaltbar. Es braucht neue Wege, auf denen Schutzbedürftige sicher in die Schweiz gelangen können. Weshalb nutzt die Schweiz nicht die neuen Möglichkeiten, die sich mit dem Internet bieten? Für einen Asylantrag braucht es heute keine Botschaft mehr. Ein Formular im Internet würde genügen.

Ist ein Asyl-Schalter im Netz nur Zukunftsmusik? Im Gegenteil: Visa-Gesuche können bereits heute via Internet gestellt werden. Verfahren lassen sich auf diese Weise effizienter und noch dazu kostengünstiger abwickeln. Ein solcher Prozess wäre grundsätzlich auch für Asylgesuche denkbar. Der Vorteil liegt auf der Hand: Gefährdete Menschen könnten rund um die Uhr und überall auf der Welt Asyl beantragen. Zivilgesellschaftliche Organisationen hätten die Möglichkeit, Gesuche zu unterstützen und Informationen beizusteuern, welche die Prüfung erleichtern und beschleunigen würden.

Wir leben in einer Zeit, in der das Internet zu Recht ein Hoffnungsträger geworden ist. In so unterschiedlichen Ländern wie Syrien und China kämpfen Bloggerinnen und Blogger an vorderster Front gegen autoritäre Regierungen. Sie nehmen sich die Freiheit, Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen.

Der Respekt gegenüber diesen Mutigen gibt dem Begriff «Asyl» die breite gesellschaftliche Anerkennung zurück, die in der entfesselten Missbrauchsdebatte verloren ging. Warum sollten wir Flüchtlingen nicht auch per Internet Schutz vor Verfolgung anbieten? Der Schweiz stünde es gut an, die «humanitären Traditionen» neu zu beleben. Ein einfacher Klick könnte ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglichen.

Der Artikel ist die überarbeitete Version meines Textes, der im Bulletin von Solidarité sans frontières 2013 erschienen ist.

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I love Papi-Zeit 3
Campaigning

Lovestorm für mehr Papi-Zeit

Am Sonntag 7. Juni ist in der Schweiz Vätertag. Travail.Suisse startet in Zusammenarbeit mit Männer.ch, Pro Familia, Avanti Papi und Operation Libero einen Lovestorm für mehr Papi-Zeit. Auf der Plattform papizeit.ch sagen Väter und Mütter mit Bild, warum es endlich einen gesetzlich geregelten und bezahlten Vaterschaftsurlaub braucht, der seinen Namen auch verdient.

Heute bekommt ein frisch gebackener Vater in der Schweiz vom Gesetz gleich viel bezahlte freie Zeit, wie bei einem Wohnungswechsel: Einen Tag! 

Mit der Online-Kampagne von gamechanger/pixelgarage soll der öffentliche Druck für mehr Papizeit erhöht werden. Im Parlament ist aktuell ein Vorstoss für 2 Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub hängig.

Die Website hat das Kollektiv mitdir.ch entwickelt. Die ursprüngliche Idee einer Selfie-Plattform entstand 2014 als Reaktion auf die Masseneinwanderungsinitiative. In den letzten Monaten sind weitere Projekte in ganz Europa dazugekommen.

Update 08.06.2015
Auswahl von Medienberichten zur Papizeit-Kampagne:

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